Die Gesellschaft in den Entwicklungsprozess einbeziehen

Die Gesellschaft in den Entwicklungsprozess einbeziehen

Mit dem Exoskelett möchten Max Böhme und Felix Weiske Probleme im Alltag lösen. Im Interview haben sie uns Fragen rund um ihr Projekt und die Probleme von KI in der Gesellschaft beantwortet.


Wie funktioniert das Exoskelett? Welches Problem kann es lösen?

Die eigentlich korrekte Bezeichnung wäre Bewegungsunterstützungssystem, kurz BUS. Ein Exoskelett ist eher eine äußere Stützstruktur. Unser System unterstützt hingegen zusätzlich die Bewegung beim Treppensteigen aktiv. Es misst die Bewegung des Nutzers und passt sich an dessen Bewegung iterativ an. Dafür ist die KI im System wirksam. Folgt das BUS ohne den Nutzer zu behindern, wartet es auf konkrete Events während der Treppenüberwindung. Auf diese reagiert es, in dem es unterstützend eingreift und so bei der Überwindung hilft. Gerade Senioren haben beim Treppensteigen oft Probleme, da ihre Muskelkraft im Alter nachlässt. Aufzüge und Treppenlifte können dafür nicht überall installiert werden und fördern zudem nicht den Wiederaufbau der Muskulatur. Unser BUS stellt eine alternative Lösung dar, die diese Einschränkungen aufbrechen soll.

Welche Besucher*innen haben Sie bisher in Ihrer interaktiven Werkstatt gehabt? 

Bisher noch keine, da die Ausstellung erst ab August öffnen soll. Wir hoffen aber auf Besucher aller Altersgruppen, vorzugsweise jedoch Senioren, die sich für KI, Forschung im Allgemeinen und für unsere Entwicklung interessieren (vielleicht auch weil sie genau diese Probleme in ihrem Alltag haben). Technikskeptiker sind auch gerne Willkommen!

Welches Feedback bekommen Sie / Was ist den Besucher*innen am wichtigsten? 

Wir rechnen sowohl mit positivem, als auch mit negativem Feedback. Gerade zum Thema KI ist die gesellschaftliche Meinung gespalten. Wenn wir es schaffen, die Skeptiker aufzuklären und die Ängste gegenüber neuen Technologien abzubauen, haben wir unser Ziel erreicht. Andererseits hoffen wir natürlich auf Feedback zu unserer Forschung und dem Demonstrator. Was können wir besser machen? Welche Herausforderungen sehen die Besucher der Ausstellung? Wie wird die Entwicklung und die KI akzeptiert?

Wieso halten Sie den Einbezug der Gesellschaft in eine solche medizinische Entwicklung für wichtig?

Die Gesellschaft weiß am besten was Sie braucht und welche Techniklösungen ihr intuitiv näher liegen als andere. Das ist wichtig für die Akzeptanz der Technologie und letztlich auch Bedingung dafür, dass sie auch (gern) genutzt wird. Darum müssen Entwickler zuerst die Bedürfnisse und Anforderungen aufnehmen und danach umsetzen. Präsentiert man aber fertige Lösungen, ohne die zukünftigen Anwender einzubeziehen, können die beiderseitigen Erwartungen schnell mal verfehlt werden. Wird die Gesellschaft im Entwicklungsprozess einbezogen, kann die Lösung den Erwartungen immer besser angepasst werden, bis man eine zufriedenstellende Lösung hat. Wir nennen das dann partizipative Entwicklung.

In der Gesellschaft herrscht noch ein gewisses Maß an Skepsis gegenüber KI-basierten Technologien. Was glauben Sie, wie und durch wen  mehr Vertrauen in KI entstehen kann?

Wir glauben, dass die Skepsis gegenüber neuen Technologien wie KI ein zutiefst menschlicher Impuls ist. Gerade das Verhältnis zwischen fehlendem Verständnis auf der einen Seite und aber den weitreichenden und teilweise unglaublichen Ergebnissen auf der anderen, lässt ihn für KI-basierte Technologien besonders hervortreten. Nach unserer Einschätzung liegt aber genau hier der Hund begraben. Ein Vertrauen gegenüber KI-basierten Technologien zu gestalten, bedeutet zuallererst einmal zu erklären, wie dieses Künstliche an der Intelligenz eigentlich funktioniert. Selbst wenn dabei zum Teil einiges an Mathematik gefragt ist, sollte man nicht davor zurückschrecken, wenn nötig eben genau diese auch so gut es geht zu vermitteln. Letztlich sind hierfür alle gefragt, die in irgendeiner Form Teil der Community sind, seien es die Wissenschaftler selbst, Journalisten, Fördermittelgeber, etc. Aus dem Bereich neuer Medien wie YouTube gibt es schon einige gute Vorzeigebeispiele, wie das in übersichtlichen Häppchen Stück für Stück funktionieren kann. Einige YouTuber verfolgen da sogar den Ansatz, nicht nur Verständnis aufzubauen, sondern auch zum Selbermachen zu ermächtigen. Unsere partizipative Entwicklung ist da ein ähnlicher Versuch.

Wie haben Sie selbst den Zugang zu KI gefunden?

Als Studenten der Ingenieurwissenschaften für Maschinenbau & Elektro- und Informationstechnik kamen wir um grundlegende Vorlesungen nicht herum. Im Gegenteil haben genau diese dann unser Interesse für das Thema aufgebaut und gefördert. Für wen klingt es denn im ersten Moment nicht spannend, mithilfe solcher Methoden Dinge wie Fußballergebnisse oder das Wetter vorherzusagen? Und so führte für uns letztlich eins zum anderen.

Wie würden Sie ihren persönlichen Wunsch/Zukunftsgedanken formulieren, im Hinblick auf die Entwicklung in der Medizin?

Die Entwicklung in der Medizin schreitet global rasant voran, was sehr wünschenswert ist. Jedoch sind die medizinischen Standards auf der gesamten Welt sehr unterschiedlich. Wir würden uns global gesehen eine chancengleiche Medizin wünschen, ohne dabei ihre Weiterentwicklung zu bremsen. Ob und wie das realisierbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Allerdings könnten KI-basierte Technologien hierfür ein wichtiger Katalysator sein.

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